Toulu Hassani: Fall Back Into Place
„Der Titel gibt Hinweis auf die Uhrzeit der Aufnahme ihrer fotografischen Vorlage. Natürlich fehlen, um präzise zu sein, Angaben zu Standort und Datum der Aufnahme. Mir geht es jedoch nicht um eine möglichst genaue Darstellung. Die Positionsbeschreibung ‚above horizon' stammt aus der Astronomie und verdeutlicht für mich auf eine spannende Weise, dass wir alles, was wir betrachten, sei es noch so groß oder klein, eben nur aus unserer Perspektive beschreiben können. Der Sternenhimmel ist kartiert und wir wissen, was um uns herum zu sehen ist, jedoch ist unser eigener Planet im Weg. Den Sternhimmel selbst verbinde ich mit vielem. Nachts verschwindet alles im Dunkel um uns herum und die winzig erscheinenden Sterne in der Ferne ziehen meinen Blick magisch an. Die Gedanken erscheinen nachts freier und klarer als am Tag und zugleich kennt sicher jede und jeder die Gedanken, wie klein und nichtig wir als Menschen in den Dimensionen des Alls erscheinen. Gleichzeitig ist da eine große Faszination für ungelöste Rätsel. Dinge und Dimensionen, die unsere Vorstellungskraft übertreffen. Die Sternmalereien sind vielleicht ein Versuch, so einen Moment ganz bewusst zu evozieren.“
– Toulu Hassani über ihre Werkgruppe „above horizon“
in einem Interview von 2024 mit Sophie Azzilonna für die Sammlung Stadler
Toulu Hassani hat im Laufe der letzten 15 Jahre ein malerisches Werk geschaffen, das über Linien, Striche, geometrische Formen und mathematische Strukturen zu einem ordnungsgebenden Bildergeflecht zusammenfindet. In diesen Bildwelten gelingt ihr ein identitätsstiftender Moment, der den Menschen als Individuum in ein direktes Verhältnis zu den über-geordneten, universellen Kräften setzt, die außerhalb unserer Vorstellungskraft wirken. Dabei dienen der Künstlerin zum Teil naturwissenschaftliche Referenzen aus der Astrophysik als Analogien in ihrer Bildfindung. In Toulu Hassanis vierter Einzelausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle mit dem Titel „Fall Back Into Place“ treffen die bekannten gerasterten Ölbilder auf großformatige Sternbilder und kleinformatige Airbrusharbeiten. Diese drei Werkgruppen bilden die Komplexität zwischen Ordnung und Unordnung, System und Zufälligkeit innerhalb ihres malerischen Kosmos ab. Auf dem Bildträger muss sich die Materie gegenüber dem Intuitiven behaupten. So finden sich immer wieder dicht aneinandergereihte, geometrische Muster oder ornamentale Linienführungen auf den Werken wieder, die nach längerer Betrachtung in ihrer Logik einbrechen und durch plötzliche Richtungswechsel die Suche nach der Lösung hinter dem System ohne Antwort zurücklassen. Der Ausstellungstitel „Fall Back Into Place“ beschreibt eine Situation, bei der nach einem chaotischen Zustand wieder Ordnung einkehrt. Er ist eine Inspiration aus dem Refrain des Space Songs von der US-amerikanisch-französischen Band Beach House. Bei den Sternbildern aus der Werkgruppe „above horizon“ mit angegebener Uhrzeit hingegen findet man sich vor einem Ausschnitt des nächtlichen Sternenhimmels wieder und begegnet dem demütigen Gefühl von dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
