Übersicht

Zu Various Others 2026 präsentiert die Galerie Rüdiger Schöttle Milena Muzquiz' Einzelausstellung „Make or Break“, die in Zusammenarbeit mit Travesía Cuatro (Madrid, Guadalajara, Mexiko-Stadt) konzipiert wurde. Die Ausstellung bietet einen konzentrierten Einblick in die Komplexität von Muzquiz' Schaffen und vereint ihre Keramikarbeiten und Ölgemälde.
Die in Mexiko geborene und in Los Angeles lebende Muzquiz verortet die Ursprünge ihrer Bildwelt in der visuellen Landschaft Tijuanas, einer Grenzstadt, die von Tourismus, Handel und kulturellen Überlagerungen geprägt ist. Strände, Blumen, Glücksbringer und Fragmente dekorativer Auslagen – Motive, wie sie aus Souvenirgeschäften bekannt sind – bilden dabei weniger eine feste Ikonografie als vielmehr einen Ausgangspunkt. Sowohl in ihren Gemälden als auch in ihren Keramiken werden diese Elemente verzerrt, geschichtet und neu zusammengesetzt, wodurch die verführerische Einfachheit ihrer Ausgangsbilder unterlaufen wird. Was zunächst verspielt oder ornamental erscheint, offenbart allmählich ein komplexeres Terrain, in dem die konstruierte Verheißung eines Paradieses auf ökologische Belastungen, kulturelle Projektionen und persönliche Erinnerung trifft.
Im fließenden Wechsel zwischen Malerei und Skulptur behandelt Muzquiz Objekte und Bilder als veränderliche Formen. Ihre keramischen Gefäße – lose an Vasen oder dekorative Behältnisse erinnernd – entwickeln sich zu skulpturalen Körpern, die zwischen Gebrauchsfunktion und Charakterfigur oszillieren. In einem additiven Prozess aus Modellieren, Glasieren und malerischen Eingriffen entstehen Oberflächen, die Texturen, Ausstülpungen und gestische Spuren ansammeln und sich formaler Stabilität entziehen. Anstatt sich zu eindeutigen Symbolen zu verdichten, bleiben diese Formen bewusst überbordend und instabil und bewegen sich zwischen Ornament, Figuration und theatralem Requisit.
Florale Motive kehren in der Ausstellung immer wieder – sowohl als dekoratives Element als auch als Auslöser von Erinnerung. Mit gestischer Direktheit gemalt oder aus keramischen Oberflächen hervortretend, evozieren sie Landschaften, die zugleich erinnert, imaginiert und kulturell vermittelt sind. Indem Muzquiz auf die visuellen Codes von Kitsch, Handwerk und populärer Dekoration zurückgreift, entwickelt sie eine Bildsprache, die bewusst verführerisch ist und zugleich beständig irritiert – eine Bildwelt, in der sinnliche Oberfläche und strukturelle Dissonanz in permanenter Spannung zueinander stehen.