Licht ist Ursprung und Voraussetzung des Sehens – und damit eines der zentralen Medien der Kunst. Seit den frühesten Höhlenmalereien, die im flackernden Schein von Feuer entstanden, bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten mit fotografischen, installativen und digitalen Verfahren begleitet Licht die künstlerische Praxis als Material, Metapher und Erkenntnisinstrument.
Unsere digitale Gruppenausstellung „An ode to light“ versammelt Positionen, die sich diesem vielschichtigen Phänomen widmen. Die gezeigten Fotografien, Malereien und Arbeiten auf Papier verstehen Licht als verbindendes Element zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen physikalischer Realität und subjektiver Erfahrung. Sie laden dazu ein, dieses existenzielle Phänomen nicht nur zu betrachten, sondern zu erleben – als etwas, das Räume öffnet, Bedeutungen verschiebt und unsere Wahrnehmung immer wieder neu formt.
In der Fotografie wird Licht zur technischen wie konzeptuellen Grundlage des Bildes. Künstler*innen wie Thomas Struth, Candida Höfer, Thomas Ruff und Chen Wei untersuchen die Bedingungen fotografischer Bildproduktion und machen sichtbar, wie sehr das fotografische Bild von Belichtung, Auflösung und medialer Übersetzung geprägt ist. In Referenz auf seine fototechnische Bedeutung und Geschichte und in seiner Nutzung als kompositorischem und dramaturgischem Element entstehen so spannungsgeladene Bildräume, in denen Helligkeit und Dunkelheit die Wahrnehmung leiten. Zugleich fungieren Lichtverhältnisse als Träger von Atmosphäre und Stimmung. Jānis Avotiņš, Elger Esser, Florian Süssmayr, Annabell Häfner und Maximilian Rödel arbeiten mit differenzierten Lichtstimmungen, die zwischen dokumentarischer Beobachtung und subjektiver Empfindung oszillieren. Ihre Werke zeigen, wie Licht emotionale Resonanzen erzeugen kann, ohne dabei seine Bindung an reale oder vorgestellte Orte zu verlieren. Darüber hinaus kann Licht als metaphorischer Träger von Bedeutung und Erinnerung fungieren. In den Arbeiten von Thu Van Tran wird das Verhältnis von Helligkeit und Dunkelheit mit historischen und materiellen Fragestellungen verknüpft, ohne dabei in eindeutige Symbolik aufgelöst zu werden. Schließlich rückt auch die Bedingungen von Wahrnehmung selbst in den Fokus. Dan Graham hat in seinen Arbeiten gezeigt, wie Spiegelung, Transparenz und Lichterscheinungen die Beziehung zwischen Betrachter, Raum und Bild verschieben und neu erfahrbar machen.
