JĀNIS AVOTIŅŠ

Distances, Art Museum RIGA BOURSE, Riga, LV

Das Konzept der Ausstellung von Jānis Avotiņš entwickelte sich als Reaktion auf die architektonische Ästhetik des Kunstmuseums RIGA BOURSE. Der Große Ausstellungssaal des Museums mit seinen vollständig freigelegten, von Tageslicht durchfluteten Fenstern und den Ausblicken auf die unterschiedlichen Perspektiven der Altstadt von Riga erinnert an die prachtvollsten westeuropäischen Metro- und Bahnhöfe des Eklektizismus und des Neoklassizismus. Dies veranlasste den Künstler, die für sein Werk charakteristischen Beziehungen zwischen Figur und Raum in der Malerei weiter zu untersuchen und die Spannungen von Zeit, Geschichte und Politik auf der aufgeladenen, intimen Oberfläche der Leinwand zu verdichten.

In dieser Ausstellung konzentriert sich Jānis Avotiņš auf den Kern jener grundlegenden Idee, die seine künstlerische Praxis bislang geprägt hat: die erkennbaren historischen Konnotationen der ein- oder zweifigurigen Darstellungen in seinen Gemälden. Ausgangspunkt ist eine Fotografie, die in den 1920er Jahren, also vor dem Zweiten Weltkrieg, in Lettland aufgenommen wurde. Aus der Vogelperspektive zeigt sie mehrere Hundert Menschen, die sich auf einem weitläufigen Platz unter freiem Himmel um ein großes leeres Rechteck versammelt haben. Im Zentrum dieses Rechtecks findet eine Zeremonie statt, möglicherweise militärischer Natur; wahrscheinlicher handelt es sich jedoch um eine Auszeichnungsfeier der Pfadfinderinnen oder Pfadfinder. Die Protagonist der Zeremonie sind so klein dargestellt, dass lediglich ihre Umrisse und ihre choreografische Anordnung erahnen lassen, was sich dort abspielt. In unmittelbarer Nähe zum Betrachter sind dagegen nur Rückenansichten, Silhouetten und Figuren zu erkennen. Die Fotografie selbst ist nicht Teil der Ausstellung. Ebenso wenig gehört eine textliche Ausarbeitung philosophischer Metaphern zum Ausstellungskonzept.

Die Ausstellung präsentiert ausschließlich neue Arbeiten und ist Teil der Ausstellungsreihe des Kunstmuseums RIGA BOURSE, in der sich Vertreter:innen der zeitgenössischen Kunst mit dem historischen Erbe des Museums auseinandersetzen.

30 Mai 2026 – 23 August 2026