Sławomir Elsner: Vom Feld über die Hand in die Vase
Wir freuen uns, die fünfte Einzelausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Slawomir Elsner anzukündigen, mit dem wir seit 2004 zusammenarbeiten dürfen. Die Ausstellung widmet sich einem der ältesten und zugleich wandelbarsten Motive der Kunstgeschichte: der Blume.
Kaum ein Bildmotiv hat über die Jahrtausende eine vergleichbare Vielfalt an Bedeutungs,- Funktions,- und Rezeptionsverschiebungen hervorgebracht. In der christlichen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildtradition wurde die weiße Lilie, insbesondere in Darstellungen der Verkündigung, zu einem zentralen Attribut Mariens und einem Sinnbild ihrer Reinheit und Jungfräulichkeit; Nelken und Rosen konnten – je nach Bildzusammenhang und farblicher Ausgestaltung – göttliche oder weltliche Liebe, die Passion Christi, aber auch eheliche Treue und Verlobung symbolisieren. In der europäischen Malerei des 17. Jahrhunderts, insbesondere im niederländischen und flämischen Stillleben, wurde die Blume zunehmend zum Vanitas-Motiv und verband so Schönheit und Vergänglichkeit miteinander. Zugleich zeugten kostbare, seltene und exotische Blüten von Handelsbeziehungen, Sammelkultur, Wohlstand und sozialem Prestige. Seit dem 19. Jahrhundert und verstärkt in der Moderne trat neben ihre traditionelle ikonographische Funktion zunehmend ihre Bedeutung als Gegenstand von Lichtstudien, Farbexperimenten und subjektivem Ausdruck. In der Gegenwartskunst wird sie zunehmend zur Projektionsfläche ökologischer, gesellschaftlicher und politischer Fragestellungen.
Gerade diese außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit bildet den Ausgangspunkt von Slawomir Elsners neuer Werkgruppe. Ihn interessiert die Blume dabei weniger als ikonographisches Motiv, denn als Bildträger einer über Jahrhunderte gewachsenen visuellen Erinnerung. In ihr verdichten sich religiöse Symbolik, mythologische Erzählungen, naturwissenschaftliche Beobachtung und malerische Experimente zu einem Bildgedächtnis, das bis in die Gegenwart fortwirkt. Seine Arbeiten kreisen um das Nachleben kunsthistorischer Bildformen, um die Flüchtigkeit des Sehens sowie die Fragilität der Erinnerung.
